Martin Birkner

Die Arbeiten von Martin Birkner, seien es nun Fashion- oder Beauty-Aufnahmen, Kino- und Filmplakate oder Werbefotografien, spiegeln in ihrer Gesamtheit den ausgeprägten Drang wider, sich über den Horizont des Abgebildeten zu erheben und in einer ästhetischen Art und Weise auf einen Punkt außerhalb des Ausschnitts zu verweisen. Sie zeichnen zaghaft die Konturen einer Geschichte, die sich um den einen festgehaltenen Augenblick rankt. Zudem spielen sie mit dem Unerwarteten, verweisen auf den Moment der Überraschung, der zunächst ganz neutral eine erste kurzzeitige Überwältigung darstellt. Vor allem die Tiefe der inneren Bewegung, sowie die Kraft der äußeren, die vom Körper, bzw. Gegenstand selbst ausgeht oder auf diese einwirkt, rückt hierbei ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Schon während seiner nach eigener Aussage als eher langweilig empfundenen Schulzeit im Raum Dortmund entwickelte Martin Birkner träumend in Giger-Phantasien verstrickt, den Wunsch illustrativ und kreativ tätig zu werden. So studierte er nach dem Abschluss Kunst und Grafik-Design an der Rhein-Sieg-Kunst Akademie in Hennef. Für die Konzeption und Gestaltung eines Lifestyle-Unterwäschelabels erhielt er 2005 das Diplom für Grafik- und Kommunikations-Design.
Von 2006-2008 war er für den deutschen 3L-Filmverleih (www.3L-film.de) als Art-Director tätig. Hier kreierte und redesignte er Filmposter und Werbung für Kinos in Deutschland und Österreich. Seit 2009 ist Birkner nun selbstständig als freiberuflicher Fotograf und Digital Artist tätig. Inspiration bezieht der Künstler nach eigenen Angaben aus unterschiedlichen Medienbereichen wie Film, Bücher, Zeitschriften und Kunst. Vor allem die Arbeiten von Terry Gilliam, Stefan Sagmeister, Banksy uvm. begeistern den Fotografen.

Birkners Modefotografien betonen insbesondere das Individuum, die Akzente liegen hier auf dem Speziellen der Mimik und Gestik, bzw. der Körperhaltung. Extravaganzen, Eigentümlichkeiten und Verrückt-/Entrücktheiten erzählen vom Leben, seinen Knicken und Verirrungen: Die Phantasie des Betrachters stürmt drauf los und befindet sich im Bruchteil eines Wimpernschlags in einer träumerischen Wirklichkeit, die gerade auch durch die bestimmte Kleidung oder das eine besondere Accesoire beschworen wird. Gleichsam verschafft der Künstler seinen Beauty-Aufnahmen den Hauch einer exentrischen Individualität. Hier lugt in jedem Winkel die jeweilige Vergangenheit hervor; aber vor allem wird die gegenwärtige Verstrickung stark betont und die Spannung ob der konkreten Zukunft rückt ins Augenmerk.

Dieser Schwerpunkt auf der Darstellung von Menschen, ihren Gesichtern, ihre Haltung und Bewegung kommt zudem in den Filmplakaten und -werbung zum Tragen. Die Geschichte, die hier erzählt wird, kann demzufolge schon im Poster wahrgenommen werden; der Ausdruck der Abgebildeten verinnerlicht den Plot, sowie die Handlung die Personen formt.
Ferner begegnen dem Betrachter der Birknerischen Werke mitunter auch Fotografie-Illustrationscollagen. In einigen Bildern scheint abseits aller Werbe- oder Modezwecke immer noch die kindliche Neugier zu sprechen, die Erwartung, der Aufbruch vorwärts in ein spannendes Abenteuer lockt und lässt den Konsumenten schmunzeln ob seiner oft eigenen erwachsenen Ernsthaftigkeit. Wenn der Spaß an der Tat an sich verloren geht, kann es keine Geschichten mehr geben. So ist es nur verständlich, dass jemand wie Martin Birkner eigens verkündet, die Selbstständigkeit angestrebt zu haben, um nicht zu einem Büro-Zombie zu mutieren.

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