Emil Schildt
Der Däne Emil Schildt, 1958 geboren, doch wie er selbst sagt, im Herzen 35 Jahre jung geblieben, gehört zur seltenen Gruppe von Menschen, die durch unkonventioneller bis gar unprofessioneller Lernweise ihren eigenen, zum Ideal deutlich alternativen jedoch hochwertigen Stil entwickelt haben.
Ursprünglich ein klassisch ausgebildeter Flötist, sollte sein Aufenthalt an der Vra Höjskole, einer Volkshochschule für Musik, Design und Fotografie im Norden Dänemarks seinen Lebensweg deutlich ändern. Ein amerikanischer Mitschüler aus dem Fachbereich der Fotografie konnte sich seinen Heimflug nicht mehr leisten und bat Schildt in seiner Not, ihm seine alte Kamera abzukaufen. Mit schwindendem Interesse für den Berufsweg des Musikers, gelangte dieser daraufhin zunehmend zur Fotografie.
Schildt ist Autodidakt; im rein privaten Studium der Fotografie entdeckte er beim eigentlichen fehlerhaften Umgang mit Negativen und Druckverfahren unzählige Bildeffekte, die seine spätere Handschrift prägen sollten. Mit seiner riesigen Sammlung analoger, nahezu antiker Fotoapparate und Objektive mit all ihren farblichen Vorteilen und lieb gewonnenen Macken, inszeniert er bis heute vor allem Portraits, Akte und Stillleben, die sich spätestens bei ihrer stilistischen Kombination eindeutig der Kunstfotografie zuordnen lassen.
Nebst seiner klassischen, idealnahen Personenfotografie, sind es vor allem seine sehr ambivalenten Motive, die vom ersten Blick an interessieren.
Akte von ordinär breitbeinig sitzenden Frauen mit Zigarette im Mund vor unterstrichen trostloser Kulisse stellen die konventionelle Aktästhetik der lasterhaften Menschennatur gegenüber. Manch Bild mutet religiös an, aber nie ohne eine Provokation. Seine Serie „Angels“ verwandelt seine nackten Motive mittels Flügel in Engelswesen, die sich jedoch keine Blöße geben und eher sündig als himmlisch und edelmütig wirken.
Die malerisch anmutende Optik der Werke rührt dabei nicht nur von den Inszenierungen, die ab und an ein kirchliches Bildnis erinnern, sondern von den offensichtlich komplexen Verfahren der Nachbearbeitung und des Drucks.
Um das Raue, das Schmutzige und Verletzliche seines Motivs zu unterstreichen, scheut Schildt nicht zurück, seine negative absichtlich zu zerkratzen, während er mittels „Light Painting“, einer Technik, bei welcher er mit externen Lichtquellen bei langer Belichtungszeit künstlich übermäßige Scheineffekte und Kontraste erzeugt oder einen Menschen gar in Flammen aufgehen lässt, das Erhabene und Schöne erhellt.
Beim Drucken seiner Fotos greift der Däne ebenso wie bei der Herstellung auf alte, analoge Methoden zurück, wie den chemischen Positivdruck mittels Bromöl, den auf UV-Strahlung reagierenden Blaudruck und weitere aufwändige Verfahren in Handarbeit, die oft monochrome Ergebnisse hervorbringen.
Schildts Experimentierfreudigkeit, Wertschätzung für alte Technik und Perspektive für das Laster ergeben seine einzigartige Note, die ihn zur Größe alternativer Fotografie werden ließen.





